Blinde Verführung

Ob er wohl da sein wird? Auf der Karte stand es zumindest so. Aber wie erkenne ich ihn? Wird er mich finden? Während mir all diese Fragen auf einmal durch den Kopf schießen, bemerke ich, wie sich in meinem Unterleib bereits ein kleines Kribbeln bemerkbar macht.

Unten angekommen lege ich mein Handtuch ab und setze die Maske auf. Gerade als ich nach der Türklinke greife, hält mir von hinten jemand die Augen zu. Mein Herz beginnt zu stolpern, und ich schnappe nach Luft.

„SChscht“, pfeift es mir leise ins Ohr. Er ist es. Ja, definitiv. Den Klang seiner Stimme erkenne ich sofort wieder! Er öffnet die Tür, schiebt mich in den dahinter liegenden Gang, schließt die Tür wieder und lässt dann von meinen Augen ab. Warum tut er nur so geheimnisvoll? Während er mich die Treppen hinunter führt, frage ich mich, was er zu verbergen hat. Reicht die Maske nicht? Warum besteht er außerdem auf absolute Dunkelheit? Vielleicht ist er ja Quasimodo, ein hohes Tier der Gesellschaft oder gar ein Perverser? Nein, darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Immerhin lasse ich mich gerade von ihm führen.

Der Weg ähnelt dem bei meinem ersten Besuch, aber diesmal läuft er länger geradeaus und biegt dann rechts ab. Ich höre andere Stimmen, ganz leise, aber viel näher als beim ersten Mal. Verruchtes Stöhnen, helle und dunkle Lustschreie erfüllen diesen Raum. Diesmal sind wir scheinbar nicht allein. Mir rutscht das Herz in die Kniekehlen. Sex in einem Gemeinschaftsraum! So was hab ich noch nie gemacht, und erneut freue ich mich über die anonyme Dunkelheit, die hier herrscht.

Mister X führt mich weiter in den Raum hinein. Plötzlich lässt er meine Hand los und ist für kurze Zeit verschwunden. Oh Gott, bitte komm wieder! Während ich mit flatterndem Herzen zu verschiedensten Gottheiten bete, packt mich jemand wie aus dem Nichts im Nacken, zieht mich zu sich und küsst mich leidenschaftlich. Diese weichen Lippen ... ja, er ist es. Diesmal drängt sich seine Zunge unaufhörlich in meinen Mund. Er vollführt einen wahren Balztanz mit ihr.

Ich möchte ihn endlich ertasten, erspüren und erfühlen! Meine Hand wandert direkt und ohne Umschweife auf sein Hinterteil. Seine Haut ist unheimlich zart und trotzdem fest. Ein fester Knackpo also! Meine Hände wandern seinen Rücken hinauf, während er mich weiter fordernd küsst, und stelle fest, wie gebückt er steht, um an mich herankommen zu können. Er muss also ziemlich groß sein. Ich ertaste sein breites, muskulöses Kreuz, und er lässt mich gewähren. Als ich jedoch an seine Nackenpartie komme und in die Nähe seines Gesichts, zieht er sich blitzartig von mir zurück und hält meine Handgelenke fest. Warum macht er das schon wieder?

Ruckartig drängt er mich gegen eine Wand, küsst mich noch einmal und wandert hinab zu meiner Scham. Er nimmt mein Bein und legt es auf seine Schulter. Seine Zunge wandert zielstrebig zu meiner Klitoris. Für ein paar Sekunden genieße ich sein gekonntes Spiel und suche dann aber mit meinen Händen nach seinem Kopf. Ich will ihn endlich zumindest erahnen können. Ich ertaste seinen Schopf. Er hat volles Haar. Kurz lässt er mich gewähren und entzieht sich mir dann aber wieder.

Clafoutis - süße Verführung 

Er hält mir mein Smartphone unter die Nase. „Gut, dann rufe Raphael an. Er soll seinen Knackpo hierher schwingen und uns helfen. Er hat ihn ja schließlich gesehen.“

Ich nehme ihm das Handy aus der Hand und lege es beiseite. „Ich hab ja nicht mal seine Nummer.“

„Papperlapapp, dass ich nicht lache.“ Er triezt mich mit seinem Fingernagel an den Rippen.

„Er hat schwarzes, langes Haar und trägt scheinbar eine auffällige, grüne Hornbrille, siehst du auf diesen Bildern so jemanden? Ich nicht. Also kann uns Raphael auch nicht helfen.“ Seit Pierres Aussage über Raphaels Knackpo kann ich schon wieder kaum mehr klar denken. Die Erinnerung an unsere zweite Runde in der Dusche erwacht, wie ich sein Kronjuwel erneut zum Leben erweckte, meine Zunge seine Eichel umspielte, er fast wahnsinnig wurde vor Verlangen ...

Pierre haut mir unsanft auf den Rücken.

„Aua, sag mal ...“

„Wo bist du nur schon wieder mit deinen Gedanken? Schau auf den Bildschirm, ich hab was gefunden.“ Er deutet auf ein Foto, auf dem die Köpfe der Designer in Nahaufnahme zu sehen sind. „Da hinten rechts, siehst du, das muss er sein.“

Man erkennt schwarzes, langes Haar und einen minimalen Ausschnitt der Brille. „Ja, nur leider von hinten. Und? Bemerkst du jetzt den Fehler?“ Ich sehe in Pierres zuckendes Gesicht. Ich habe die Befürchtung, er geht jede Minute in die Luft.

„Alle Namen haben ein Gesicht, nur dieses nicht. Oder umgedreht ... ahhhhh, du weißt schon, was ich meine.“ Er setzt sich in Bewegung und flaniert mit verschränkten Armen im Zimmer auf und ab. Manchmal macht mich dieser Walk wahnsinnig!

Aber er hat recht. Im Internet haben wir zu jedem Namen auf der Teilnehmerliste ein Bild gefunden. Ein Name oder ein Bild muss also definitiv falsch sein. Die ganze Geschichte wird immer kurioser. Welcher Designer stellt ein falsches Bild von sich ins Internet? Gerade diese Menschen wollen mit ihrer Kunst erkennbar verbunden werden. Ich habe in dieser Branche noch niemanden erlebt, der dort unter Pseudonym arbeitet. Ich falte meine Arme zu einer Brezel und lasse meinen Kopf hinein sinken. „Wer bitte macht sich überhaupt solche Arbeit? Da ist man doch schneller, wenn man selbst etwas entwirft.“

„Ich denke, irgendjemand möchte uns mit dieser ganzen Sache ärgern.“ Am Klang seiner Absätze kann ich erkennen, dass er wieder in Richtung Schreibtisch geht. Er stellt sich hinter mich, streichelt mir zart den Rücken und gibt mir ein Küsschen auf den Hinterkopf. „Ich glaube, du gehst besser heim und schläfst dich aus.

Gefangen - in two minds!

Die vielen bunten Lichter dieser faszinierenden Stadt scheinen durch das Fenster der Hotelsuite. Nur mit einem weißen Bademantel bekleidet beobachte ich das rege Treiben auf dem Platz vorm Hotel.

„Mach dich hübsch, wir sehen uns gleich unten“, weist Edward mich an. Die Zimmertür hinter mir fällt ins Schloss, und ich kann noch ein paar Minuten Ruhe genießen.

Eine halbe Stunde später begutachte ich mich vor dem großen Ankleidespiegel. Meine braunen Haare, hoch gesteckt, ein wenig Make-up, Smoky eyes und ein knallroter Lippenstift, der farblich genau zu meinen High Heels abgestimmt ist und zu Edwards Krawatte passt. Das kurze, eng anliegende, schwarze Cocktailkleid rundet das Bild ab. So zurechtgemacht bin ich sehr selten. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber müsste schon gehen!

Zufrieden ob meines Kunstwerk, nehme ich meine Handtasche und verlasse das Zimmer.

Das riesige Foyer mit seinem Marmorboden, den bunten Blumen an der Decke und dem integriertem Springbrunnen in der Mitte lässt einen aus dem Staunen kaum herauskommen. Ich laufe durch die Halle und sehe mich um. Alles, was das Herz einer Frau begehrt, kann man hier erwerben. Schmuck, Kleidung, Wellness-Angebote und eine Patisserie haben sie auch, Süßes und Schokoladiges, und das zu jeder Uhrzeit. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, als ich vor der Theke stehe. Nein, lieber nicht! Sonst geht‘s mir womöglich noch so wie mit dem dummen Brautjungfernkleid.

Wo ist eigentlich Edward?

Ich gehe weiter und finde den Eingang zum Casino. Neugierig und fasziniert sehe ich mich um. Am anderen Ende des Raumes kann ich Edward am Black Jack-Tisch erblicken. Glücksspiel, was auch sonst!

Affäre ... oder doch Liebe?

Luca grummelt leise, öffnet die Augen und sieht mich an. „Guten Morgen.“ Er lächelt. „Was guckst du denn so grimmig?“

„Nichts, nichts, alles in bester Ordnung“, entgegne ich schnell und bemerke erst jetzt, dass meine Stirn in Zornesfalten liegt. Kontrollfreak, schreit mein Teufelchen mich an, das auf einmal hellwach ist.

„Wenn das so ist, dann sollten wir uns schnell fertig machen, das Turnier geht bald los.“ Er hastet aus dem Bett und geht ins Badezimmer. Ich sehe auf die Uhr an der Wand. Oh, schon fast Nachmittag.

Langsam erhebe ich mich und zieh mir sein Shirt von gestern über, das neben dem Sofa liegt. Es riecht immer noch so wunderbar nach ihm. Ich spähe in die kleine Küchenzeile, keine Kaffeemaschine in Sicht, meinen morgendlichen Wachmacher kann ich mir wohl abschminken. Neugierig öffne ich leise den Kühlschrank - nichts! Unglaublich, von was lebt dieser Mann? Er hat keine Gläser, nichts zu essen und nicht einmal eine Kaffeemaschine.

„Was suchst du denn?“ Luca steht überraschend hinter mir.

Ich zucke mit den Schultern... „Einen Kaffee?“

„Das Bad ist jetzt frei, Sophie, wir werden dort frühstücken.“

Schnell verziehe ich mich mit meinen Sachen in die kleine Nasszelle.

Ein winziges Fenster lässt nur wenig Licht herein, ich betätige den Schalter und - nichts! Verwundert blicke ich an die Decke, an der Stelle, an der eigentlich eine Lampe hängen sollte, sehe ich nur Stromkabel herunter hängen. Er hat noch nicht einmal Licht im Bad? Fassungslos schüttele ich den Kopf. Wo bin ich hier nur hin geraten?